Rund 200 Expert*innen und Entscheider*innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sind der Einladung des Kompetenzzentrums Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) gefolgt. Vor Ort in Berlin und digital diskutierten sie darüber, wie Innovation als strategischer Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Grundstoffindustrie in Europa genutzt werden kann. Im Mittelpunkt standen Impulse verschiedener Bundesinstitutionen, die Innovation als Motor der Dekarbonisierung und Weg zu resilienten Industriestandorten verdeutlichten.
Klimaschutz als Unternehmensstrategie
In ihrer Begrüßungsrede ermutigte die Geschäftsführerin der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) Unternehmen, den Transformationsdruck hin zur klimaneutralen Wirtschaft in einen strategischen Vorteil zu verwandeln – Dr. Constanze Haug: „Wettbewerbsfähigkeit bedeutet heute mehr als kurzfristige Stärke – sie entsteht, wenn Klimaschutz, Innovation und Kooperation zusammengedacht werden. Wenn Transformation als Chance wahrgenommen und Fördermittel als Hebel für die Skalierung neuer Technologien genutzt werden, entsteht aus Klimaschutz ein strategischer Vorteil und Baustein zur Zukunftssicherung“. Das KEI ist ein Geschäftsbereich der ZUG und im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) als Think Tank tätig.
KEI-Leiter Jakob Flechtner erklärte zum Veranstaltungsauftakt, dass Klimaschutz, Digitalisierung und Innovation als integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Wirtschaft zu verstehen sind. Aus Sicht seines Kompetenzzentrums gebe es bereits überzeugende Pilotprojekte, exzellente Technologien sowie Erfinder*innengeist – es mangele hingegen an skalierbaren Geschäftsmodellen und Märkten für klimafreundliche Produkte. „Wer sich transformiert, bleibt wettbewerbsfähig. Lassen Sie uns diese Transformation gemeinsam gestalten!“, appellierte Flechtner.
Innovationen als Motor der Dekarbonisierung
In seiner Keynote zum „Clean Industrial Deal als Motor für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Resilienz“ weitete Berthold Goeke den Blick für die europäischen Dimensionen. „Die klimaneutrale Transformation der Industrie ist längst kein Nischentehma mehr, sondern integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Wirtschaft“, unterstrich der Abteilungsleiter Nationaler und Europäischer Klimaschutz im BMUKN. Drei Elemente benannte er als wesentlich, um Dekarbonisierung zum Business-Case zu machen. Erstens: Unternehmen können durch klimafreundliche Investitionen Kosten sparen. Zweitens: Nachhaltige Geschäftsmodelle erhöhen deren Resilienz. Und drittens: Durch Transformation erschließen sich neue Märkte und Geschäftschancen.
Ergänzt wurden die ministerialen Ausführungen durch mehrere Impulsvorträge: Christian Bogatu von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIN-D) stellte klar, dass Innovation als Motor der Dekarbonisierung zu begreifen ist. Jose Gonzalez Cuenca vom European Innovation Centre for Industrial Transformation and Emissions (INCITE) erläuterte, warum seine Einrichtung für europäische Innovation in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Schadstoffbeseitigung, Dekarbonisierung und Ressourceneffizienz wichtig ist. Dr. Marc Bovenschulte, Leiter des Servicezentrums für industrielle Transformation in den Regionen (SiT), legte die Bedeutung von industriellen Clustern für Innovation in den Regionen dar.
Podiumsdiskussion und Austausch in Workshops
Die Referierenden vertieften das Thema im Anschluss in einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Nilgün Parker (BMUKN), Claudia Martina Buhl (SiT) sowie Dr. Wibke Lölsberg (BASF) bei Fragestellungen zum Nutzen von Wettbewerbsfähigkeit und Innovation als strategische Hebel für Resilienz in Deutschland und Europa. Dabei gab Moderatorin Hanna Gersmann auch den Fachfragen aus dem Publikum und Chat ausführlich Raum. Abschließend setzten die Teilnehmenden in Berlin die Gespräche in drei thematischen Workshops sowie beim gemeinsamen Netzwerken fort.